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Interview mit Jozef BUKOVCÁK, CEO von CrazyFly Kiteboarding

18.02.2018 11:08

Jozef BUKOVČÁK, ist der CEO von CRAZYFLY, dem bisher einzigen Kitehersteller der seine komplette Produktion in Europa realisiert hat. Doch dies ist bei weitem nicht das beeindruckenste an CRAZYFLY. Im Interview erzählt er uns Fakten und Stories der vergangenen Jahre im Kitebusiness.
 

 

Kiteladen: Jozef, wann und wo hast Du zum ersten Mal einen Kiteboarder gesehen?

Jozef BUKOVČÁK: Ich habe viele Kiteboards gesehen, bevor ich den ersten Kiteboarder auf dem Wasser sah. Im Jahr 1998 war ich der Abteilungsleiter des Shape Departments einer Windsurf-Board Produktion in der Slowakei wo wir auch die ersten Wipika kiteboards hergestellt haben. Die ersten Kitesurfer am Wasser habe ein Jahr später in Kroatien während eines Familienurlaubs gesehen.

 

Kiteladen: Wie Du uns gerade erzählt hast, warst Du zu dieser Zeit Boardshaper für Windsurfboards. Was hast Du über das Kitesurfen gedacht? Und wusstest Du es schon damals, dass Du künftig auch Kiteboards bauen willst oder war es ein langsamer Prozess bis Du CrazyFly gestartet hast?

Jozef BUKOVČÁK: Ich war vor 1999 hauptsächlich in der Herstellung von Windsurfboards tätig, hatte aber bereits Erfahrung mit der Wipika Kiteboard Produktion. Als ich die ersten Kiteboarder live sah, hat es mir sofort gefallen. Es war sehr aufregend und cool. Natürlich hatte ich zu dieser Zeit keine Ahnung, ob es etwas Großes werden würde, also konzentrierten wir uns auf das Windsurfen, aber wir beobachteten den Kitesurf-Trend ganz genau. Ins Kiteboarden reinzukommen ging nicht so schnell, es war ein längerer Prozess. Ich hatte ein bisschen Pech und Glück im Jahr 1999. Pech hatte ich, dass mein Arbeitgeber, eine große Windsurfbrett-Produktion mit über 300 Leuten in der Produktion, Bankrott ging und die Fabrik schloss. Da ich der Leiter der Shape-Abteilung war, kamen einige der ehemaligen Kunden der Fabrik auf mich zu um für sie zu produzieren, was ich auch tat. Und das war der glückliche Teil, denn als ich meine eigene Fabrik gründete, war Kiteboarding plötzlich bekannt. Wir hatten auf einmal nicht nur eine große Nachfrage nach Windsurfboards, sondern auch nach Kiteboards. Mit dem Start meiner eigenen Fabrik habe ich auch meine eigene Marke CrazyFly für Windsurfboards gegründet und 2001 haben wir CrazyFly Kiteboards hinzugefügt. Wir haben die Windsurfproduktion 2002 vollständig eingestellt und konzentrieren uns seither ausschließlich auf Kiteboarding.

 
 

Kiteladen: Bis 2010 hat CrazyFly ausschließlich Kiteboards hergestellt, ist das richtig? 2010 hast Du Deine erste Kiterange gelauncht, wie denkst Du über diese Entscheidung aus heutiger Sicht?

Jozef BUKOVČÁK: Ja, bis 2010 haben wir nur Kiteboards produziert und verkauft. Unser erster Kite wurde im April 2010 gelauncht und einige Monate später, im September 2010, haben wir zwei weitere Kite-Modelle hinzugefügt. Die Erweiterung unserer Produktpalette um die Kites hat unser Unternehmen auf jeden Fall vorangetrieben. Es war fast so, als würde man eine neue Firma gründen. Stell Dir vor, Du produzierst Boards und eines Tages triffst Du die Entscheidung Kites zu designen. Am Anfang hatten wir sehr wenig Wissen über die Kites, ihre Designs und keine Kontakte zu Herstellern usw. Wir begannen wirklich bei Null. Aus heutiger Sicht glaube ich, dass es deshalb so großartig funktioniert, weil wir jetzt unsere eigene Kitefabrik haben, was nicht viele Marken von sich behaupten können. Da wir die Kites selbst produzieren, hat sich die Qualität massiv verbessert. Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, wenn wir uns nicht entschieden hätte, Kites zu produzieren. Ich hätte definitiv mehr Freizeit, aber ich denke nicht, dass CrazyFly in einer so guten Position sein würde, wie es jetzt ist.

 

Kiteladen: Im Jahr 2017 habt ihr den Standort der Produktion von Asien in eure Heimat Slowakei geändert. Die Produktion in Europa ist bestimmt teurer als in Asien, woher nehmt ihr das Extra-Budget für die höheren Kosten?

Jozef BUKOVČÁK: Anfangs produzierten wir die Kites in China, dann in Sri Lanka und jetzt, wie Du gesagt hast, in der Slowakei. Es ist definitiv teurer in der Slowakei Kites zu produzieren als in Asien und das war auch der Schlüsselfaktor, den wir vor Beginn der Produktion bewältigen mussten. Da wir nur eine ungefähre Vorstellung hatten, wie viele Arbeitsstunden notwendig sind um einen Kite zu produzieren, was das Projekt sehr riskant werden lässt. Es war klar, dass wir den Produktionsprozess so weit wie möglich automatisieren und die Arbeit von Menschen so weit wie möglich eliminieren mussten, um die Kosten zu reduzieren. Der Kauf der Maschinen erhöhte die Anlaufkosten und das Risiko noch mehr. Um ehrlich zu sein, verdienen wir mit einem Kite jetzt weniger Geld als vorher, aber durch die Produktion in Europa konnten wir das Produkt verbessern und den Umsatz steigern. Am Ende des Tages haben wir nicht verloren. Wir haben die Lücke geschlossen, indem wir ein viel besseres Produkt mit nur geringfügig höheren Kosten herausgebracht haben.

 
 

Kiteladen: Wir finden den Gedanken Kite-Equipment in Europa zu produzieren sehr gut. Warum denkst Du, dass CrazyFly der einzige Hersteller ist, der in Europa produziert? Denkst Du, dass andere folgen werden?

Jozef BUKOVČÁK: Wir lieben unsere Kite-Fabrik in der Slowakei ebenso! Es gibt uns viel mehr Freiheit, unsere Kites zu erneuern ohne die Produktionsmethoden eines ausgelagerten Zulieferers einzuschränken. Außerdem haben wir die Kites immer pünktlich fertig für die Kunden, was sich positiv auf den Umsatz ausgewirkt hat. Es ist schwer zu beantworten, warum wir der einzige Kite-Hersteller mit dieser Philosophie sind. Ich denke, jedes Unternehmen ist anders und ist anders aufgestellt. Für uns ist die Herstellung der Kites in Europa die richtige Wahl. Wir haben keinen anderen Weg gesehen. Es half unserem Produkt, es half unserem Marketing und Image und es half unseren Kunden. Einige Marken mit unterschiedlichen Positionierung auf dem Markt müssen möglicherweise nichts dergleichen tun und wie ich schon sagte, ist es sehr riskant, solche drastischen Maßnahmen zu machen. Ich bezweifle, dass viele Marken diesem Trend folgen werden, da die bekanntesten Marken in Asien gut aufgestellt sind.

 

Kiteladen: Was waren die Hauptprobleme bei der Herstellung der Kites in Asien?

Jozef BUKOVČÁK: Bei der Produktion in China bestand das Hauptproblem darin, dass sie dich zwingen wollen, die Kites nach ihrer Art herzustellen und das andere Problem war, dass wir nicht glücklich darüber waren, wie wir als Kunde behandelt wurden. Wir, genau wie andere Marken auch, haben unsere Kite Shapes an die Fabrik geliefert. Aber sie haben die Kites dann mit ihren Shapes in ihrem Produktionsprozess gemacht. Alles, was wir an den Kites ändern wollte, wie zum Beispiel eine andere Naht an der Leading Edge, wollten sie nicht durchführen. Das macht es fast unmöglich, etwas Neues und Besseres für den Kite und den Produktionsprozess zu entwickeln, was für uns aber sehr wichtig war. Die Auswahl der Materialien war sehr begrenzt. Es gab schon viel bessere Materialien auf dem Markt, aber jede Fabrik arbeitet nur mit bestimmten Lieferanten und sie werden dies nicht für eine Marke ändern. Wenn sie es ändern, dann wird es für alle Marken schwierig, ein einzigartiges und besseres Produkt auf den Markt zu bringen, was wir immer versuchen zu tun. Es wurde uns nicht erlaubt in die Produktionshalle zu gehen. Dies machte es schwierig, eine gute Qualitätskontrolle im Kite-Produktionsprozess beizubehalten und Dinge zu verbessern. Die Produktion verzögerte sich ständig und über zwei Monate dauerte die Prototyp-Produktion der Kites. Kites haben meist einen einjährigen Produktionszyklus, da kann man nicht zwei Monate auf einen Prototyp warten. Wenn wir etwas an einem Prototyp ändern wollen, haben wir einen neuen innerhalb eines Tages. Last but not least gab es für uns keine Garantie aus der Kite-Fabrik.

 
 

Kiteladen: Reden wir über Kite-Equipment für Frauen. Kannst Du uns sagen, wie hoch der Anteil an verkauftem Frauen Kite Equipment ist im Vergleich zum Kite-Equipment für Männer?

Jozef BUKOVČÁK: Auch wenn wir sehen, dass mehr Frauen Kiteboarden, liegt das weibliche Segment bei uns nur bei 10%. Wir würden es lieben, wenn mehr Frauen Kiten würden, denn der Sport ist viel sicherer und zugänglicher als noch vor ein paar Jahren. Wir unterstützen beispielsweise die weibliche Pro-Kitesurferin Liloo Fourre.

 

Kiteladen: Was ist der unterschied zwischen eurer „Girls Edition“ und dem anderen Equipment?

Jozef BUKOVČÁK: Wir produzieren ein Kiteboard speziell für Frauen, nämlich das „Girls“ Board. Es hat einen weicheren Flex im Vergleich zu Herrenboards, da Frauen im Allgemeinen leichter sind, sodass dies den entsprechenden Komfort und Flex bietet. Frauen sind auch meist etwas kleiner, deshalb machen wir das Girls Board mit einem schmaleren Stance und kleineren Fußschlaufen. Zusätzlich statten wir das Girls Board mit einer spezifischen Grafik aus. Was die Kites betrifft, glaube ich, dass unser Haupt-Allround Kite, der Sculp, hervorragend für Frauen funktioniert, und ich würde ihn als Unisex-Produkt bezeichnen. Wir haben eine Bar, aber wir haben bei der Entwicklung auch an Frauen und Kinder gedacht, damit der Depower-Tampen gut erreicht werden kann.

 
 

Kiteladen: Was ist Deine Meinung zum Thema Kitefoiling? Wird es relevant für die Masse oder wird es eine Nische bleiben?

Jozef BUKOVČÁK: Ich persönlich mag das Foilen sehr. Ich denke, es bietet etwas Neues, Spannendes und Interessantes. Man kann bei Leichtwind in Richtungen fahren, die mit anderen Boards schlicht unmöglich wären. Kitefoilen bringt auch mehr Ruhe in den Sport, man fühlt sich mit der Natur verbunden. Für die ältere Generation ist es sehr knieschonend. Basierend auf der Nachfrage, die wir hatten, würde ich sagen, dass es bereits die Massen anspricht. CrazyFly Foils werden endlich im März 2018 gelauncht.

 

Kiteladen: Die Preise für Kitesurf-Ausrüstung steigen jährlich – was hat sich in den letzten Jahren verändert? Zum Beispiel konnte man im Jahr 2010 eine brandneue Bar für ca. € 300,- bekommen.

Jozef BUKOVČÁK: Nun, wenn wir bis 2010 zurückgehen, dann hat sich viel in der Kiteausrüstung geändert. Um auf die Bar zurückzukommen. Zum Beispiel haben wir 2010 unsere Bar in China produzieren lassen, was günstiger ist, als in Europa zu produzieren, wie wir es jetzt tun. Die 2010er Bar hatte dickere Leinen, die sich schneller ausdehnten als die aktuellen, dünneren Leinen. Die Power Line war nicht in der PU Tube abgedeckt. Der Swivel war nicht so ausgereift wie jetzt. Um ehrlich zu sein, ist die Bar das komplizierteste Produkt, das wir herstellen. Es erfordert die meisten Arbeitsstunden aller unserer Produkte, da es sehr schwierig ist, den Produktionsprozess zu automatisieren. Fast alles wird von Hand zusammengesetzt. Die Bar besteht aus hunderten von kleinen Komponenten, die teure, kundenspezifische Formen erfordern und die Teile müssen klein und doch sehr stabil sein und erfordern hochwertige Materialien, um die Last zwischen dem Kite und dem Fahrer zu tragen.

 
 

Kiteladen: Die Produktpalette von CrazyFly ist ziemlich beeindruckend. Drei verschiedene Kites und eine wirklich große Boardrange für alle Disziplinen, was kommt als nächstes? Bitte erzähle uns was über die Zukunft von CrazyFly!

Jozef BUKOVČÁK: Vielen Dank! Ja, wir sind ganz zufrieden mit unserer Produktpalette. Wir planen einen neuen Kite zu launchen, aber ich kann jetzt nicht mehr darüber erzählen, sorry. Wir haben gerade eine brandneue Reihe von Foilprodukten herausgebracht, die eine aufregende Ergänzung unseres Sortiments und auch des Sports insgesamt sind. Wir bieten zwei verschiedene Foilboards und zwei verschiedene Foils. Nach zweijähriger Testphase, finde ich das Result sehr beeindruckend. Vollkarbon, leicht und haltbar mit einer Aluminium Fuselage und das alles zu einem tollen Preis, der sogar konkurrenzfähig mit den Aluminium Foils. Zusätzlich sind die Foils super einfach zum Zusammen- und Auseinanderbauen. Schaut Sie euch an und haltet die Augen offen für den Launch unseres neuen Kites!

 

Kiteladen: Vielen Dank lieber Jozef für Deine Zeit und deine Antworten, wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

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