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Interview mit Peter Lynn Teamrider und Pro Kitesurfer Roderick Pijls

29.03.2018 13:29

In Melissa's Café direkt am Bloubergstrand in Kapstadt/Südafrika treffen wir uns mit Roderick Pijls einen aufstrebenden holländischen Profi Kitesurfer und Peter Lynn Teamrider. Ein braungebrannter, gut gelaunter Roderick tritt sogleich durch die Tür und begrüßt uns sehr höflich. Sogleich sind wir auch schon im Interview:

Zuerst ein paar kurze Fragen, damit wir dich besser kennenlernen:
 

Geboren: 1991
Familienstatus: In einer Beziehung
Ich kite seit: 2006
Lieblingsmove: Freestyle KGB to blind / Wave: aggressiver Turn auf einer großen Welle
Lieblingsspot: Für Freestyle: atins/Brasilien und für Wave: Oneeye/Mauritius
Lieblingsgetränk: Mineralwasser
 

Kiteladen: Roderick, kannst Du uns ein bisschen von Dir erzählen? Woher kommst Du, wann und warum hast Du mit dem Kitesurfen begonnen?

Roderick Pijls: Ich bin im südlichen Teil der Niederlande aufgewachsen, wo es kein Wasser und keinen Wind gibt. Ich habe früher Feldhockey auf höchstem Niveau gespielt. Nachdem ich die Highschool beendet hatte, wusste ich nicht, was ich studieren sollte und habe mir ein Jahr Auszeit genommen. In dieser Zeit habe ich zum ersten Mal Kitesurfen ausprobiert und war gleich total begeistert. Ich habe dann mit dem Studium begonnen und habe aber trotzdem noch viel Zeit beim Kiten verbracht und mein erstes Sponsorship erhalten, obwohl ich eigentlich immer nur noch zum Spaß gekitet bin. Als mich mein Sponsor eines Tages gefragt hat, ob ich nicht an Wettbewerben teilnehmen möchten, wollte ich das Studium aufgeben, aber meine Eltern wollten, dass ich das Studium beende. Nach dem Studienabschluss habe ich begonnen an Wettbewerben teilzunehmen um zu sehen, was passiert. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich etwas aus meinem Hochschulabschluss gemacht. Aber nachdem ich immer noch kite, hat es wohl funktioniert.

 

 

Kiteladen: Kannst Du Dich an das Gefühl erinnern, als Du zum ersten Mal gekitet bist? War das ein Meilenstein in Deinem Leben?

Roderick Pijls: Ja, ich kann mich natürlich daran erinnern, es war verrückt. Ich hatte eine Unterrichtsstunde gemeinsam mit zwei Freunden und meinem jüngeren Bruder und wir spielten mit dem Kite herum. Als ich dann zum ersten Mal mit dem Board im Wasser war, hatte ich ein ähnliches Feeling wie beim Tiefschnee fahren mit dem Snowboard und ich liebe dieses Gefühl noch immer. Nach 50 Metern auf dem Board ist der Kite ins Wasser gefallen und die Leinen waren voller Seegras, aber ich wollte es sofort nochmal probieren. Es war einfach ein unbeschreibliches Gefühl, das ich heute auch noch öfter habe, wenn ich wieder mal etwas Neues ausprobiere wie zum Beispiel Kitefoilen.

 

Kiteladen: Wir haben gelesen, dass Du auch als Model arbeitest. Wie kombinierst Du Modeljobs und Kitesurf-Competitions und wie verdienst Du Dein Geld? Was antwortest Du, wenn Dich die Leute nach Deinem Job fragen?

Roderick Pijls: Das ist schwierig zu beantworten. Ich habe zwei Jobs – Kitesurfen und Modeln, wobei allerdings das Kitesurfen meine Leidenschaft ist und das Modeln erst an Platz zwei kommt. Ich arbeite als Model, aber ich fühle mich nicht als Model, das ist einfach nicht mein Lifestyle. Wenn ich mich zwischen den beiden Sachen entscheiden müsste, würde ich mich immer für das Kitesurfen entscheiden, aber manchmal kann man es sehr gut kombinieren, wie zum Beispiel hier in Kapstadt. Wenn ich an einem Kite-Wettbewerb teilnehme, dann funktioniert es meistens, dass ich die Shootings verschieben kann. Außerdem muss ich nicht sehr darauf achten, was ich essen, weil ich ohnehin mindestens vier Stunden Sport pro Tag mache. Als männliches Model kann man bis ca. 40 Jahre arbeiten und deshalb gebe ich dem Kitesurfen im Moment auf jeden Fall den Vorzug, auch wenn ich mit den Modeljobs viel mehr Geld machen könnte. Kitesurfen ist meine Leidenschaft und man kann es nicht so lange auf professioneller Ebene machen wie das Modeln. Wenn mich jemand nach meinem Job fragt, bezeichne ich mich immer als professioneller Kitesurfer.

 
 

Kiteladen: Warum hast Du Dich für ein Leben im Sportbereich entschieden und was würdest Du machen, wenn Du nicht Profi-Kitesurfer wärst?

Roderick Pijls: Ich war mein ganzes Leben lang sportlich und ich mag es einfach auf ein Ziel hinzuarbeiten. Ich mag das Gefühl des Adrenalinrauschs. Wenn ich kein professioneller Kitesurfer geworden wäre, würde ich etwas mit meinem Universitäts-Abschluss machen oder etwas im Bereich Video/Film. Oder vielleicht würde ich als Vollzeit Model arbeiten.

 

Kiteladen: Wer und was inspiriert Dich dazu, das Leben zu leben, das Du jetzt führst? Magst Du es zu Reisen und hast Du überhaupt genug Zeit um Deine Reisen zu genießen?

Roderick Pijls: Ich habe nicht wirklich jemanden, der mich inspiriert oder ein spezielles Vorbild im Kitesurf-Sektor, der mich inspiriert besser zu werden. Ich denke, wir sind alle nur Menschen, müssen alle einkaufen gehen und unser Leben leben. Aber ich bewundere Menschen, die ihren Träumen folgen, Entscheidungen treffen und auf ihr Herz hören. Tu, was Dich glücklich macht! Und ich bewundere Menschen, wie zum Beispiel Gandhi, die gegen den Strom schwimmen und etwas Positives bewirken. Was das Reisen betrifft: Es ist gut, dass ich in einer Beziehung bin und meine Freundin mich immer wieder ermutigt, Dinge abseits vom Kitesurfen auszuprobieren und beispielsweise die Umgebung zu erkunden. Ja, ich habe auch Zeit, das Reisen zu genießen. Wir waren zum Beispiel im Herbst in Brasilien zum Kitesurfen und in der letzten Woche haben wir uns Zeit genommen Rio zu entdecken und andere Sachen zu erkunden, die Touristen machen würden.

 
 

Kiteladen: Das beantwortet meine nächste Frage, ob Du eine Freundin hast gleich mit Ja. Als Mitglied des Peter Lynn Kiteboarding Teams: Kannst Du uns mehr über Deine Ausrüstung erzählen? Welches Equipment fährst Du was ist Dein Lieblingskite?

Roderick Pijls: Im Bereich Freestyle fahre ich den Escape von Peter Lynn und ich nutze den Swell für Wavekiting. Ich sehr zufrieden mit dem Freestyle Equipment, weil man immer spürt, was der Kite macht. Der Escape ist äußerst verlässlich. Für die Wellen nutze ich den Swell, der sich im Vergleich zu letzten Version etwas verändert hat. Der Kite hat mehr Drift, wenn Du auf der Welle bist und der Kite schwebt mit Dir mit. Es ist superschnell, einfach zu fahren und hat viel Depower.

 

Kiteladen: Was ist Deine liebste Kitedisziplin? In Deinem letzten Vlog haben wir gesehen, dass Du viel Spaß beim Waveriding hattest. Kannst Du uns mehr darüber erzählen?

Roderick Pijls: Ich bin in vielen Freestyle Competitions angetreten und leider habe ich mir den Knöchel gebrochen und die Bänder gerissen. Dieselbe Verletzung, die Kevin Langeree letztes Jahr hatte und die Nick Jacobsen jetzt gerade hat. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich von der Verletzung erholt hatte und ich war für fast ein Jahr draußen, weil ich keine Freestyle Tricks mehr machen konnte, weil die Einschläge einfach zu hart waren. Meine Freundin Jalou (Langeree) hat mich dann zum Wavekiten mitgenommen und es hat mir viel Spaß gemacht. Jetzt passe ich die Disziplin einfach an die Gegebenheiten an. Bei Flachwasser mache ich Freestyle und wenn es geile Wellen hat, gehe ich raus für eine Wavesession. Ich liebe die Kombination aus beidem.

 
 

Kiteladen: Du verbringst Deine Winter in Kapstadt, das für seine Wellenspots berühmt ist. Was macht den Peter Lynn Swell zur perfekten Wahl für Wavekiter und welche Vorschläge hast Du für einen Wavekite-Anfänger?

Roderick Pijls: Der neue Swell ist offener und er driftet besser. Für Kapstadt ist er perfekt, weil der Wind manchmal sehr böig sein kann und aufgrund des schnellen Lenkverhaltens fährt er sich super, auch wenn mal mal etwas underpowered ist. Fortgeschrittenen Wavekitern würde ich empfehlen etwas unterhalb von Big Bay zu kiten, da dort die Wellen größer sind und mehr Power haben. Wavebeginner gehen am besten in Dolphin Beach oder Kite Beach raus, dort sind die Wellen gemäßigter.

 

Kiteladen: Peter Lynn ist auch im Landboarding Bereich sehr bekannt. Hast Du Landboarding jemals ausprobiert?

Roderick Pijls: Nein, bis jetzt noch nicht. Aber ich möchte es auf jeden Fall probieren.

 
 

Kiteladen: Vor kurzem hat der Red Bull King of the Air in Kapstadt stattgefunden und Kevin Langeree hat die Krone mit nach Hause genommen. Hast Du schon mal daran gedacht auch am King of the Air teilzunehmen?

Roderick Pijls: Ja und Nein. Ich finde es toll, wie Red Bull den Wettbewerb aufsetzt. Alles ist superprofessionell und es ist einer der am besten organisierten Wettkämpfe der Welt und aus dieser Perspektive würde ich sagen „Ja“, aber andererseits ist „Big Air“ nicht meine Leidenschaft und von diesem Standpunkt aus würde ich „Nein“ sagen. Big Air macht mir mal für eine Stunde lang Spaß, aber es ist eben nicht die Disziplin, die ich bevorzuge.

 

Kiteladen: Welche Tipps hast Du für Kitesurf-Anfänger, die ihre Fähigkeiten schnell weiterentwickeln wollen? Hast Du Geheimtipps, wie man seine Ziele schneller erreichen kann?

Roderick Pijls: Ich denke, dass man sich viele Filme und Videos ansehen sollte um zu sehen, wie die anderen Kitesurfer bei Tricks einen Kite steuern. Achte auch auf deren Schulter-, Kopf- und Körperposition, das kann Deine Weiterentwicklung maßgeblich beeinflussen. Und selbstverständlich solltest Du Deine Zeit auf dem Wasser genießen. Verbringe keine vier Stunden, wenn die Bedingungen auf dem Wasser nicht gut sind. Sich gegenseitig zu filmen ist auch sehr wichtig, denn dann siehst Du, was Du falsch machst und kannst Dich mit anderen vergleichen. Letzter Tipp: Kite mit jemandem, der besser ist als Du und hab keine Angst zu fragen. Wenn Du einen Pro-Kitesurfer am Strand siehst, dann frage ihn einfach: „Ich habe Probleme mit einem Trick, kannst Du mir einen Tipp geben um es besser zu machen?“ Ich bin mir zu 100% sicher, dass niemand Nein zu Dir sagen wird!

 

Roderick, vielen Dank für Deine Zeit, wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und eine gute Zeit.

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